Rhein-Neckar Löwen starten mit der Vorbereitung auf die Saison 2020/21

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Die Rhein-Neckar Löwen starteten am 20. Juli 2020 im Leistungszentrum in Kronau mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Am Freitag lud dann der Bundesligist aus Baden die Pressevertreter zur ersten Konferenz nach Kronau ein.

Auch hier galt es sich an ein Hygienekonzept zu halten, welches mit der Gemeinde Kronau und dem zuständigen Gesundheitsamt entwickelt worden war. Fiebermessen, Desinfektion und das Anlegen von Mund-Nasen-Schutz war vor Beginn der Konferenz für alle Teilnehmer Pflicht. Der vorgeschriebene Abstand wurde selbstverständlich ebenfalls eingehalten.

Neben der Löwen Geschäftsführerin Jennifer Kettemann hatten Chefcoach Martin Schwalb, Rückkehrer als Co-Trainer Klaus Gärtner und der sportliche Leiter Oliver Roggisch auf dem Podium Platz genommen. Der Presse wurden gleichzeitig die beiden Neuzugänge Albin Lagergren und Mait Patrail präsentiert.

Geschäftsführerin Jennifer Kettemann

„Wir wissen es zu schätzen, dass wir wieder hier sein dürfen. Es waren harte Monate für uns alle, in denen uns die Geschäftsgrundlage entzogen war. Jetzt wollen wir in kleinen Schritten zurück Richtung Normalität“, eröffnet Jennifer Kettemann die Konferenz. Nach Abbruch der vergangenen Runde wegen der Corona-Pandemie trafen sich die Medienvertreter und Verantwortlichen erstmals wieder zu einem regen Austausch. Die Geschäftsführerin des zweifachen Deutschen Meisters lobte die Geschlossenheit, mit der die Löwen die schwierige Situation zu meistern versuchten: „Ein großes Lob geht an das gesamte Team, die Geschäftsstelle und die Spieler. Wir haben einen tollen Zusammenhalt gezeigt.“

Martin Schwalb wies darauf hin, dass seine 17. Saisonvorbereitung als Cheftrainer eines Bundesligisten zum ersten Mal in solch einer außergewöhnlichen Situation ablaufen wird. Er ließ nicht unerwähnt in welch guter physischen Verfassung seine Jungs zur ersten Einheit angetreten sind. Diese Tatsache ist ein Indiz dafür, dass die Löwenspieler ihren Beruf sehr ernst nehmen. 

Martin Schwalb wurde vom sportlichen Leiter, Oliver Roggisch, kräftig unterstützt, der betonte, dass alle Löwenakteure in der langen Zeit der Ungewissheit Wege gefunden haben, um sich dennoch fit zu halten. 

Oliver Roggisch mit Rückkehrer Klaus Gärtner

Die Löwen haben Klaus Gärtner nach zweijähriger Tätigkeit als Cheftrainer des österreichischen Erstligisten HC Alpla Hard zurück nach Baden geholt. Er freut sich zusammen mit Martin Schwalb in der HBL die Geschicke der Gelbhemden entwickeln zu können. „Handball-Baden.de“ wird in Kürze ein ausführliches Interview mit dem Rückkehrer präsentieren. 

Der Cheftrainer der Badener wurde auf eine Aussage angesprochen, die er bei seinem Amtsantritt machte: „Wir wollen uns eine Philosophie geben, auf die wir stolz sein können und die die anderen erschreckt“. Das Markenzeichen der Gelbhemden soll auf drei Säulen aufgebaut werden. Trainer Schwalb hob hervor, dass er mit seinen Jungs das Tempospiel ganz oben an stellen möchte. Spezielle Abläufe sollen mit der zweiten Welle Erfolg bringen, die auch durch Neuzugang Mait Patrail eine besondere Note erfahren könnten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt dann noch auf der Abwehrarbeit, die bei den Löwen aber schon immer als besondere Stärke erkennbar war. Oliver Roggisch betonte, dass gerade im Abwehrblock Patrail eine besondere Aufgabe zukommen wird, da er den bisherigen Abwehrstrategen Gedeon Guardiola ersetzen soll. „Und dann wollen wir auch für den einen oder anderen Überraschungseffekt sorgen. Auch das soll unser Markenzeichen werden“, fügte Martin Schwalb noch hinzu. 

Martin Schwalb hat in der jetzigen Situation ein Problem, das aber auch die meisten anderen Trainer und Spieler haben, die schon lange in diesem Geschäft dabei sind. In all den letzten Jahren stand den Teams ein kurzer Zeitraum zur Verfügung, den Motor auf Hochtouren zu bringen. Anders läuft es in diesem Jahr. In einer langen Vorbereitung werden viele Regenerationsphasen eingebaut werden. Der Start in das Pflichtprogramm ist für die Löwen mit dem 22. September terminiert. Zu diesem Datum ist das Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde für die European League festgelegt. Nur eine Woche später folgt dann das Rückspiel. Auf europäischer Ebene starten die Teilnehmer also früher als auf der nationalen Ebene, die für den 01. Oktober vorgesehen ist. Der erfahrene Coach geht also davon aus, dass er nach dieser langen Vorbereitung mit einer „sehr fitten Mannschaft“ an den Start gehen wird. Die erste Phase, die am Montag gestartet wurde, soll die Athleten wieder langsam an höhere Belastungen heranführen. „Auch ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ich nicht von Anfang an mehr fordern muss, so wie ich es bisher gewöhnt war“, streute der Erfolgscoach kurz ein. Er hat ja mit dem HSV Handball Hamburg schließlich alles erreicht, was ein Vereinstrainer erreichen kann. Nach der ersten Woche mit täglichem Training folgt ein freies Wochenende. Am Ende der zweiten Woche steht dann auf dem Mannheimer Maimarktgelände das „Carstival“, die offizielle Mannschaftspräsentation für die Fans auf dem Programm. Auch hiermit wird ein neuer Weg, den ungewöhnlichen Umständen angepasst, gegangen. Anschließend fährt die Mannschaft zum viertägigen Trainingslager nach Ischgl, ein Ort, der im Rahmen der Corona-Krise einen traurigen Ruf erlangte. Um die Infektionsgefahr zu minimieren, befinden sich während der Löwen Aufenthaltes keine weiteren Gäste im Silvretta Sporthotel. Neben Teambildungsmaßnahmen werden auch einige Trainingseinheiten in den Tagesablauf einfließen. 

Zurück in der Heimat legt das Team dann eine zehntägige Pause ein, um danach intensiver in die Vorbereitung einzusteigen. Ab Ende August soll die Mannschaft dann auch wieder Spielpraxis erhalten. In welcher Form dabei Trainingsspiele stattfinden werden und welche Gegner in Frage kommen, wollen die Verantwortlichen der Löwen nach und nach festlegen.

Wie Geschäftsführerin Kettemann betonte, wollen die Mannheimer in die neue Saison wieder vor Publikum starten. An einem schlüssigen Hygienekonzept für die SAP-Arena wird von allen Seiten kräftig gearbeitet. Die Verantwortlichen wollen die Landesregierung mit einem Konzept überzeugen, das mehr als 500 Zuschauer bei den Spielen erlauben soll. Jennifer Kettemann erhofft sich, dass man mindestens mit den 2000 Dauerkartenbesitzer beginnen darf. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre die Zulassung von 4000 Zuschauern natürlich der wesentlich bessere Wert.

Um Erfahrung mit Spielen mit Besuchern sammeln zu können, wollen die baden-württembergischen Bundesligisten Ende August bis Anfang September den BW-Cup durchführen. Neben den Rhein-Neckar Löwen wollen Frischauf Göppingen, HBW Balingen-Weilstetten und TVB Stuttgart auch die Zweitligisten SG BBM Bietigheim und die HSG Konstanz an dem Wettbewerb teilnehmen. Wann, wie und wo alles ablaufen soll, werden wir unseren Interessenten rechtzeitig bekannt geben. 

Martin Schwalb hat sich nach der PK einigen Medienvertretern noch zu einer kleinen Gesprächsrunde gestellt und dabei auch versucht, Fragen zu Zielsetzung für die neue Runde zu beantworten: „Wir sind nicht so vermessen, dass wir den Meistertitel anstreben wollen. In den vergangenen beiden Jahren lagen wir ein gutes Stück hinter der Spitze und haben nach dem Abbruch durch die Quotientenregelung noch den fünften Rang erreicht, so dass wir als erstes Ziel ausgeben, dass wir ein paar Mannschaften hinter uns lassen wollen, die an uns vorbeigezogen sind.“ Er gab zu, dass der Kader im Moment viel Klasse und ein enormes Potenzial aufweist, vermied es aber eine Kampfansage an die Konkurrenz zu machen: „Um das Stück wieder aufzuholen, das uns zuletzt gefehlt hat, müssen wir hart arbeiten.“ Er gibt sich jedoch recht zuversichtlich: „Die Jungs haben ihre Arbeit in einer persönlich guten Verfassung angetreten. Bei einer Gewöhnung an die Intensität ist eine Steigerung sicher möglich, zumal die Jungs alle sehr gut mitziehen.“

Mait Patrail, Albin Lagergren, Martin Schwalb, Jennifer Kettemann, Oliver Roggisch, Klaus Gärtner

Der erste Eindruck vom neuen Löwen-Team macht Hoffnung, dass der badische Bundesligist die Corona-Pause gut überstanden hat und sich nun konzentriert auf den Weg in die neue Saison macht.