Badenliga-Derby zwischen Knielingen und Stutensee-Weingarten endete Unentschieden

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Badenliga Männer.    TV Knielingen  –  SG Stutensee-Weingarten  28:28   (14:11)

Knapp zehn Minuten hätte keiner Anhänger der SG Stutensee-Weingarten auch nur einen Cent daraufgesetzt, dass ihr Team im Derby gegen den TV Knielingen noch etwas Zählbares holen könnte. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Gastgeber in der Reinhold-Crocoll-Halle klar mit 24:20 in Front und hielten die Truppe von Trainer Steffen Bechtler sicher auf Distanz. Wie schon unzählige Handballspiele davor wurde auch dieses Derby in der Schlussphase entschieden. Mit einer Dramaturgie, die oft nur in Nachbarschaftsduellen zu finden ist, endete die Begegnung im Karlsruher Westen mit einem 28:28 Unentschieden. Mit diesem Ergebnis konnte Steffen Bechtler wie auch sein Kontrahent Jochen Werling leben.

Die Spielgemeinschaft hatte sich in der Schlussphase für ihren unermüdlichen Kampf selbst belohnt und hat ein fast verlorenes Derby noch aus dem Feuer gerissen. Die Gastgeber haderten mit sich selbst, da sie in der zweiten Hälfte ihre spielerische Linie endlich gefunden hatten und bis zur 51. Minuten mit vier, fünf Toren die Nase vorne hatten. In den letzten achteinhalb Minuten kassierten die Hausherren drei Zeitstrafen für ihren Kapitän Dennis Estedt, Philipp Schollmeyer und die Bank und verloren nach der roten Karte gegen Fabian Meinzer mit einer zusätzlichen Strafe von zwei Minuten vollkommen den Faden. Angeführt von Spielmacher Marvin Morlock und Kai Rudolf kämpften sich die Gäste Tor um Tor heran und glich 45 Sekunden vor dem Schlusspfiff aus. Es wurde ein Ergebnis, mit dem beide Teams letztendlich leben können. Zufrieden werden die Trainer mit dem Derby aber nicht sein.

 

Die SGSW startete mit überlegten Angriffen in die Begegnung und setzte die Hausherren recht früh unter Druck. Es gab, wie bei einem Derby üblich, kein langes Abtasten. Beide Mannschaften gingen in der Abwehr aggressiv zur Sache, ohne dass es unfair wurde. Es war unverständlich, dass die beiden Schiedsrichter in diesem Abschnitt schon fünf Zeitstrafen verhängten und damit eine Linie festlegten, die diese Partie nicht verdient hatte. Die SGSW fand als erste einen Weg Handball zu zeigen, baute mit einem Zwischenspurt die Führung auf 4:7 aus und zwang Trainer Werling zur frühen Auszeit. Unmittelbar danach traf es Morlock, der für zwei Minuten auf die Bank musste. Werling, der inzwischen selbst in das Geschehen eingriff führte seine Sieben wieder heran. In diesem Abschnitt versäumten es die Schwarz-Weißen aus der Hardt den Vorsprung weiter auszubauen und ließen viele Chancen liegen. Unter anderem scheiterte man mit zwei Siebenmetern am starken Torhüter Pascal Fuchs. Die Bechtler Sieben verteidigte die Führung bis zur 22. Minute ehe sie doch noch den Ausgleich zum 8:8 hinnehmen mussten. Der Tabellensiebte stellte bis dahin unter Beweis, warum er in der Fremde noch keinen Punkt abgegeben hatte. Doch in der Endphase der ersten Hälfte machte man von Seiten der SG zu viele Geschenke. Zum einen vergab man die nächsten Würfe von der Linie und dann kassierte die SGSW in letzter Sekunde den 14:11 Pausenrückstand aus etwa 15 m.

 

Das dritte Viertel begann mit einem Rückschlag für die Gäste, denn Fuchs hielt den dritten Siebenmeter. Schütze Rouven Martus verwertete aber dieses Mal den Abpraller und als Felix Mügendt kurz danach den 14:13 Anschlusstreffer markierte, keimte bei den SG-Anhängern wieder Hoffnung auf. Die nächste Zeitstrafe musste die Bechtler Truppe hinnehmen, die zu einem Bruch in den eigenen Aktionen führte. Im Angriff produzierten die Gäste technische Fehler oder verloren unnötig den Ball und wurden postwendend vom TVK bestraft. Dazu parierte Fuchs den nächsten Strafwurf. Die Bechtler Truppe geriet innerhalb von fünf Minuten mit 18:13 ins Hintertreffen. Morlock und seine Kameraden kämpften zwar verbissen um den Anschluss, hatten aber aus dem Rückraum zu wenig Durchschlagskraft, da Max Weickum nach einem übertriebenen Foul in der 28. Minute nicht mehr eingreifen konnte. Die SGSW schwächte sich in diesem Abschnitt auch immer wieder selbst, in dem die Akteure fünf Zeitstrafen hinnehmen mussten, die durch Fehler im Abwehrverhalten verursacht wurden. Die Gastgeber hatten daher wenig Mühe die Gäste mit vier, fünf Toren auf Distanz zu halten.

In der 51. Minute kam dann die Wende durch die rote Karte gegen die Hausherren und damit war auch auf den Rängen eine ganz andere Stimmung als vorher. Die Partie nahm plötzlich einen anderen Verlauf. Angetrieben von Spielmacher Morlock und dem Linkshänder Rudolf, der von Rechtsaußen mächtig Betrieb machte. Mit einer kompakten 5:1 Deckung erkämpften sich die Spielgemeinschaft immer wieder den Ball und erzielten gegen die häufig in Unterzahl agierenden Hausherren Tor um Tor. Angefeuert von den eigenen Fans war es für beide Mannschaften nur noch Kampf pur, ein echtes Derby eben. Knapp zwei Minuten vor dem Ende foulte ein TVK-Akteur einen Gegenspieler beim Wurfversuch bekam eine Zeitstrafe und einen Siebenmeter gegen sich. Morlock verwandelte, obwohl Torhüter Fuchs die Ecke erahnt hatte, die Harzkugel aber nicht festhalten konnte. Für die Gastgeber kam es dann noch dicker, den nach dem nächsten Angriff beschwerte sich die Bank zu heftig und bekam die nächste Zeitstrafe. In doppelter Überzahl gelang es der SG-Sieben Rudolf auf Rechtsaußen frei zu spielen und der verwandelte sicher zum 28:28 Endstand.

 

Trainer Jochen Werling vom TVK analysierte die Partie sehr klar: „Wir haben die SG durch unsere Undiszipliniertheit wieder ins Spiel gebracht. Letztendlich haben sie sich das Unentschieden verdient. Dass wir mit fünf Toren in Front liegen konnten hatten wir vor allem Pascal Fuchs zu verdanken, der hervorragend gehalten hat. Durch die fehlende Linie der Schiedsrichter wurde das Spiel zu hektisch.“

 

Sein Gegenüber von der SG, Steffen Bechtler, pflichtete ihm in vielen Punkten bei: „Durch die vielen Zeitstrafen konnte man schon nicht mehr von einem normalen Handballspiel sprechen. Dass in einem Derby viel Emotionen drin sind ist vollkommen normal und auch wichtig. Ich bin richtig stolz auf meine Jungs, dass sie wieder zurückgekommen sind, nachdem wir lange vier, fünf Tore zurücklagen. Wenn wir das ganze Spiel betrachten haben wir den Punkt verdient.“

 

Für den TVK spielten: Pascal Fuchs, Felix Schucker  – Pascal Montag (1), Benjamin Borrmann (7), Jochen Werling (3), Philipp Ast (2), Dennis Estedt, Fabian Meinzer, Robin Hildenbrand (1), Kornej Tjart (3), Sven Walther (4/2), Jochen Rabsch (1), Lukas Metzger (4), Philipp Schollmeyer (2)

 

 

Für die SGSW spielten: Sascha Helfenbein, Pascal Duck  –  Kai Rudolf (7), Max Waltert, Vedran Dozic (1), Max Weickum (2), Justus Bieberstein (1) Rouven Martus (2/1), Jan Lasse van den Heuvel, Nils Pollmer (3), Marvin Morlock (8/2), Marvin Kikillus (2), Max Mügendt (2)