„Badische Sprachbarrieren sind kein Hindernis“

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„Badische Sprachbarrieren sind kein Hindernis“

Erwerb der A-Lizenz, neuer Verein und Umzug in eine neue Region: Für Daniel Haase war der Sommer bisher alles andere als langweilig. Der Handballcoach wechselte nach seiner langen Zeit vom TUSEM Essen in den Nachwuchsbereich der Rhein-Neckar Löwen. Wir unterhielten uns mit dem 35-Jährigen früheren Sporttourismus-Manager, der sich seit Juli 2018 bei den Junglöwen in hauptamtlicher Mission um das Team in der A-Jugendbundesliga kümmert.

Daniel, herzlich Willkommen bei den Junglöwen. Seit wann genau bist du hier in der Region?

Daniel Haase: Das hat genau gepasst mit meinem Arbeitsauftakt. Ich bin genau einen Tag vor dem 1. Juli umgezogen.

Und direkt eine Wohnung gefunden?

Daniel Haase: In Wiesloch, also nicht weit entfernt von meinem neuen Arbeitsplatz. Hat alles gut geklappt. Am Sonntag umgezogen und montags konnte ich direkt bei den Junglöwen starten.

Wenn man aus Essen kommt und in eine ganz andere Region wechselt, wie sind dann die ersten Eindrücke?

Daniel Haase: Sonnig, wenig Regen, entspannte Menschen – ich bin richtig nett empfangen worden von den Vereinsverantwortlichen, aber auch in meinem neuen Wohnort habe ich Hilfsbereitschaft erlebt. Es ist durchaus lebendiger als ich es mir vorgestellt hatte.

Wir war Dein erstes Gefühl beim Betreten der neuen Arbeitsstätte, mit Internat und Trainingshalle?

Daniel Haase: Ich war ja schon öfters im Vorfeld meines Wechsels hier und hatte mir alles angeschaut. Es ist ähnlich familiär wie in Essen, alle sind sehr freundlich. Und natürlich gibt es hier sehr gute Möglichkeiten für das Training und die weitere Ausbildung der Jungs.

Wie ist Dein Veränderungswunsch überhaupt entstanden?

Daniel Haase: Insbesondere hinsichtlich meines Abschlusses der A-Lizenz kam der Wunsch in mir auf, mich auch örtlich zu verändern. Ich hatte meinem Verein bereits im Januar mitgeteilt, dass ich den unbefristeten Vertrag beende werde und offen für Anfragen bin.

Und wie hast Du alles auf einmal unter einen Hut bekommen?

Daniel Haase: Die letzte Saison mit der A-Jugend in Essen war ziemlich kurz. Für die U23 wurde es zwar noch etwas eng mit dem Klassenverbleib, aber das ging ganz gut. Und weil mich der TUSEM nach nahezu zwölf Jahren Zusammenarbeit gut unterstützt hat, war alles zu vereinbaren.

Blicken wir nochmals kurz auf die Zeit in Essen zurück. Du hattest dort mehrere Funktionen parallel inne.

Daniel Haase: Genau, der Schwerpunkt lag letztlich bei der A-Jugend und der Anschlussförderung. Wenn man die Spieler in der ersten TUSEM-Mannschaft betrachtet, hat dies auch Früchte getragen. Und das macht mir einen großen Spaß zu sehen, wie sie sich entwickelt haben.

Was gibt Dir die Arbeit im Nachwuchsbereich?

Daniel Haase: Ich hatte parallel immer Jobs in der Jugend. Gerade im Bereich der 17- und 18-Jährigen kann man sehr viel Professionalität mitgeben, was später mal vorausgesetzt wird, weil es dann um andere Schwerpunkte geht. Aber es macht auch Spaß, Leuten die doch mal Flausen im Kopf haben, wieder in die richtige Bahn zu lenken.

Wie bist Du überhaupt zum Handballsport gekommen, gibt es eine spezielle Episode?

Daniel Haase: Mein Kumpel und ich waren etwa zehn Jahre alt und wollten eigentlich zum Volleyball. Und da waren wir in der falschen Halle. Ja, und damit waren wir beim Handball – so einfach kann es gehen.

Wie ging es weiter?

Daniel Haase: Wir sind beim Handball geblieben, zumal wir beide talentiert waren. Ich habe das immer weiter durchgezogen, immer mehr trainiert und bin dann in der B-Jugend zum TUSEM Essen. Damals spielte Essen noch in der Bundesliga eine erfolgreiche Rolle, bis dahin habe ich es leider nicht geschafft. Ich war dann in der dritten und vierten Liga unterwegs.

Bis der Trainerjob interessant wurde?

Daniel Haase: Ich war ja selbst im Jugendbereich als Spieler aktiv und mich hat diese Funktion immer interessiert. Nach dem ersten Reinschnuppern und Co-Trainertätigkeiten habe ich dann gewechselt und bin neue Ziele angegangen. Es ist halt doch was anderes ob man spielt und Anweisungen umsetzt oder sich Gedanken darüber macht, warum das jetzt so ist und es besser laufen kann. Das ist schon ein großer Prozess und je früher man sich damit auseinandersetzt, desto einfacher wird es.

Was reizt Dich besonders am Trainergeschäft?

Daniel Haase: Man kann klare Vorgaben geben und viel verändern. Das ist nicht um jemanden zu gängeln, sondern um Orientierung zu geben, um Spieler weiterzuentwickeln. Das finde ich unheimlich interessant.

Bei den Junglöwen gibt es ein Internat, viele deiner Spieler aus der A-Jugend sind tagtäglich vor Ort. Welche Chancen ergaben sich daraus?

Daniel Haase: Diese Chancen wollen wir weiter nutzen und professionalisieren. Das ist auch ein großer Wunsch von Rolf Bechtold, dass wir noch mehr tun in Richtung Training und vor allem gezielten Training. Der Verein hat mit Florian Schulz auch einen Athletiktrainer neu verpflichtet. Zusammen mit ihm wird es meine Aufgabe sein, die Spieler auf den Profibereich vorzubereiten. Und damit meine ich nicht nur die Bundesliga, sondern auch die zweite und dritte Liga. Damit der Übergang leichtfällt, ist viel und gutes athletisches Training und Regeneration Schwerpunkt.

Wie gut kennst Du bereits deine Teams?

Daniel Haase: Mir war schon im Vorfeld wichtig, die Mannschaft vor dem 1. Juli kennenzulernen, hab teilweise auch Spiele vor Ort gesehen. Dabei habe ich einen positiven Eindruck gewonnen. Klar, die Mannschaft lebt von Charakteren, das ist auch wichtig. Alle sind sehr trainingswillig und fleißig.

Was ist diese Saison für die A-Jugend drin?

Daniel Haase: Wir wollen erst mal gut in die Saison kommen. Vieles hängt natürlich auch von Verletztensituation und Einsatzzeiten im Drittligateam ab. Mit Michel Abt und André Bechtold bin ich im Austausch, so dass wir jedes Wochenende eine homogene Mannschaft aufstellen können. Als Ziel sehe ich die persönliche Weiterentwicklung jeden Spielers und natürlich mal eine Runde weiterzukommen, als das Viertelfinale der letzten Jahre. Das müssen die Ziele sein mit dem Anspruch was der Verein hat. Und deshalb sind ja auch einige Talente hierher gewechselt und wollen das selbst erreichen.

Du hast Trainerkollegen genannt, wie wünschst Du den Austausch untereinander?

Daniel Haase: Ich habe bisher einen familiären Austausch erlebt, so wünsche ich mir das natürlich auch weiterhin. Zwischen die Trainer darf nichts passen, ansonsten geht das nicht gut. Am Ende geht es aber um die Jungs und nicht uns Trainer. Man muss sehen, dass keiner verheizt wird und dafür sprechen wir uns ab.

Welches Gesicht wird die Mannschaft zeigen?

Daniel Haase: Wir werden eine sehr körperliche Mannschaft haben. Tempohandball weiterhin zu spielen muss unser Ziel sein, also über schnelle einfache Tore zum Erfolg zu kommen. Dafür trainieren wir hart, denn das ist ein kleiner Umwandlungsprozess. Aber wir wollen trotzdem auch eine offensive körperlich betonte Abwehr bieten.

Spürst Du bei den Löwen besonderen Druck?

Daniel Haase: Ich definiere Erfolg etwas anders: Natürlich stehen zwei Vizemeisterschaften der B-Jugend zu Buche und beide Jahrgänge habe ich nun in der A-Jugend. Dass die Erwartungshaltung dann nicht der fünfte Platz ist, ist mir auch klar. Trotz dessen sollte man im Jugendbereich nicht ausschließlich an Titel denken. Ich finde, wenn in vier Jahren einer der Jungs im Kader der Profis steht, dann ist es nicht wichtig gewesen, ob man Deutscher Meister war oder Vizemeister. Dennoch muss man die Ziele auch namentlich nennen und dem stelle ich mich. Es gibt nicht entweder oder, es kann auch beides geben, darauf habe ich einen sachlichen Blick. Nicht nur wegen mir, sondern vielmehr wegen den Spielern, die solchem mentalen Druck noch nicht in jeder Dimension gewachsen sind.

Und was unternimmst Du, um vom Handball abzuschalten?

Daniel Haase: Momentan lebe ich mich in dieser neuen Umgebung ein. Ich schaue mir viel an, bisher habe ich an Wochenenden viel Zeit am Baggersee verbracht. Ich finde die Natur biete einen guten Ausgleich. Ansonsten werde ich sicherlich an freien Tagen hin und wieder in die Heimat nach Essen fahren, dort Freunde treffen und etwas gemeinsam unternehmen.

Auf Instagram war zu sehen, dass Du italienisch essen warst, ist das die Lieblingsrichtung?

Daniel Haase: Das war eher zufällig so, denn da gab es einen Fernseher mit WM-Übertragung (lacht). Gute Essensmöglichkeiten gibt es hier in der Gegend genügend. In meiner Freizeit steht auch oft der Sport im Vordergrund. Schaue mir gern Eishockeyspiele an, selbstverständlich auch andere Handballspiele.

Und die Sprachbarrieren mit dem badischen Dialekt können ausgeräumt werden?

Daniel Haase: Ja, es gibt schon Schwierigkeiten, aber ich frage einfach höflich nach und das verstehen die meisten Menschen dann auch. Wenn so Ur-Einheimische losplappern, dann wird es natürlich richtig schwer aber ich denke das sollte kein Hindernis sein und bekomme ich hin.

FACTS über Daniel Haase

  • A-Lizenz (6/2018), B-Lizenz (10/2012), C-Lizenz (5/2012)
  • Zusatzqualifikation Nachwuchstrainer Leistungssport DHB (10/2017)
  • Ab 2010 Trainer beim TUSEM Essen in verschiedenen Bereichen (A-Jugendbundesliga und B-Jugendoberliga, Trainer U23-Regionalligateam, Co-Trainer Zweitligateam)
  • 2015 – 2018 hauptamtlich beim TUSEM Essen angestellt (zuvor ab 2006 in Teilzeit)
  • Ab 1.7.2018 hauptamtlich bei den Junglöwen angestellt (A-Jugendbundesliga und B2-Jugend Badenliga)

Fotos:  RNL/Uwe Knebel

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